Düsseldorfer Wettleuchten

NRW Herbst Erntedank Brauchtum

„Datt janze rote Jedöns jeht weg wie nix.“ Kürbisse in einer Auslage auf dem Carlsplatz in Düsseldorf.

Schlendert man momentan über die Märkte in unseren Städten, ist eine Farbenkombination kaum zu übersehen: Orange-Rot. Ob Kürbisse, Physalis oder Äpfel, das Wettleuchten hat begonnen. „Ja, da kucken Se, kaum ist Erntedank vorbei, da kütt schon Thanksgiving, davor noch Halloween. Das janze rote Gedöns geht weg wie nix,“ grinst der Obstverkäufer auf dem Düsseldorfer Carlsplatz. Ich nicke und grinse zurück. Erntedank vorbei, Thanksgiving kommt? Ich muss zugeben, ich bin ein bisschen verwirrt und war der Annahme, die beiden Feste wären das Gleiche.

Und das sind sie eben nicht. Eigentlich sind sie sogar grundverschieden, und Verwechslungen werden von den Feiernden gar nicht gemocht. Der grundlegendste Unterschied: Das deutsche Erntedankfest ist religiös geprägt, das amerikanische Pendant Thanksgiving dagegen weltlich. Erntedank wird am ersten Sonntag im Oktober gefeiert, Thanksgiving am vierten Donnerstag im November, mit der ganzen Familie und einem gefüllten Truthahn auf dem Tisch. Ganz anders ist das Erntedankfest. Wie der Name schon sagt, bedanken sich Christen an diesem Tag bei Gott für die reiche Ernte. Dazu werden, meist in Kirchen, Feldfrüchte und Getreide, dekorativ aufgestellt. Nicht fehlen darf dabei die „Erntekrone“, ein aus Getreide oder Weinreben geflochtener Kranz. Früher wurde der Kranz im Haus aufgehängt und blieb dort bis zum nächsten Erntefest im kommenden Jahr hängen. Man erhoffte sich von ihm Schutz vor Krankheiten und Feuer.
Ein traditioneller Brauch der Bauern ist das Fertigen einer Erntepuppe aus den letzten Erzeugnissen des Jahres. Ein Kürbis als Kopf, Stroh als Haarersatz, Zucchini für die Beine. Diese Puppe bleibt meist als Opfergabe auf dem Feld wobei die Größe und Üppigkeit der letzten Garbe oft als Omen für den Ertrag der nächsten Ernte gewertet wird.

Die allgemeine Botschaft des Erntedankfestes ist, dass es nicht allein in der Hand des Menschen liegt, über ausreichend Nahrung zu verfügen. Aus diesem Grund werden die Erntegaben nach dem Fest häufig an Bedürftige verteilt. Während Thanksgiving eher einem Weihnachtsfest ohne Geschenke gleicht, bei dem die ganze Familie zusammenkommt und gemeinsam gegessen wird, ist der Grundgedanke der Erntedankfeiern ein ganz anderer. Also, Erntedank und Thanksgiving ist nicht das Gleiche!

 

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