Das große Digital Detox FAQ: Was bringt die Zeit ohne Internet?

Digital Detox

Einfach mal aussteigen aus der digitalen Welt. Digital Detox schärft unsere Sinne.

Wir sind immer erreichbar, schreiben schnellst-möglich zurück und wissen über alles Bescheid, was im Freundeskreis so passiert. Wenn der Akku kurz vor der 3%-Marke ist, hechten wir zum Ladekabel – damit das Handy ja nicht ausgeht. Ganz schön verrückt oder? Die fortschreitende Digitalisierung verändert uns und unser Miteinander. Das Smartphone ist unser ständiger Begleiter. Egal, ob wir uns gerade unterhalten oder nicht – ein kurzer Blick, sobald es klingelt, ist doch okay, oder?

Im Durchschnitt schauen wir rund 200 Mal pro Tag aufs Handy. Knapp 100 Mal davon entsperren wir tatsächlich den Bildschirm und versinken in der virtuellen Welt.

Digital Detox ist schon lange kein neuer Begriff mehr und dennoch fällt es vielen schwer, einfach mal abzuschalten. Ein achtsamer Umgang und die Eigenverantwortung der realen Welt größere Beachtung zu schenken – mehr verlangt es nicht. Vielleicht ist die digitale Entgiftung so etwas wie die Fastenkur des Internetzeitalters – ein regelmäßiger, bewusster Verzicht als Teil unseres individuellen Gesundheits- und Wellness-Lebensstils.

Doch bevor es so weit kommt, schauen wir uns mal genauer an, was Digital Detox eigentlich genau ist, wie es abläuft und was es bringt:

Was ist Digital Detox?

Digital Detox bedeutet wörtlich übersetzt „digital entgiften“ und meint den zeitlich begrenzten Verzicht auf jegliche, mit dem Internet verbundene Geräte und Anwendungen. Die Idee geht zurück auf die Mitte der 1990er in den USA ins Leben gerufene Screen-Free Week (bildschirmfreie Woche). Ziel war es, durch den Verzicht auf PC und TV wieder mehr in Kontakt mit sich selbst und mit seiner Umgebung zu kommen und so dem direkten, unmittelbaren und achtsamen Erleben eine höhere Wertschätzung zu verleihen.

Angesichts der Tatsache, dass wir es heute mit viel mehr Bildschirmen zu tun haben (Smartphone, Tablets) und beinahe flächendeckend über mobiles Internet verfügen, ist die Idee von Digital Detox aktueller denn je.

Wie läuft Digital Detox ab?

Wer der digitalen Welt für eine Weile entsagen möchte, muss dazu nicht gleich in eines der in den Medien viel zitierten Digital Detox Camps entschwinden. Und doch gestaltet sich „einfach mal off sein“ im Alltag bei weitem nicht so einfach wie es klingt. Viel zu weit fortgeschritten ist die Durchdringung des Internets in alle unsere Lebensbereiche – egal ob beruflich oder privat. Zugleich sind davon längst nicht nur die Digital Natives oder Leute aus der Medienbranche betroffen, auch der Seniorenclub organisiert sich heute übers Internet. Es ist also ein wenig Vorbereitung nötig, um hier zeitweise auszusteigen. Vor allem, weil die ständige Erreichbarkeit über das Netz heute in gewisser Weise stillschweigend vorausgesetzt wird – von Mutti ebenso wie von den Kollegen.

Am Anfang von Digital Detox steht daher die Kommunikation des Vorhabens, möglichst flächendeckend, vor allem wenn man weiß, dass im eigenen Netzwerk Personen sind, die eine zeitnahe Reaktion gewohnt sind. Einsteigen lässt sich mit einer Dauer von 24 Stunden, einige Camps laufen über zwei Tage bis zu einer Woche.

Danach geht es ans Eingemachte: Tschüss sagen zu Smartphone, Tablet und Rechner. Wenn man bedenkt, dass laut Bundesamt für Strahlenschutz die Mehrheit der Deutschen das Smartphone nachts in Reichweite legt, wird deutlich, dass dies für so manchen keine leichte Trennung sein dürfte.

Nachdem man also völlig auf sein analoges Ich zurückgeworfen wurde, verbringt man die Zeit am besten damit, dieses mal wieder so richtig mit Energie zu versorgen. Nach dem Motto: Wenn wir beide schon ganz allein hier sind, machen wir es uns wenigstens schön! Rausgehen in die Natur, Freunde in einem Café treffen, ganz ohne Instagram- oder Pinterest-Publikum schön kochen und beim Langweilen eigene Gedanken haben statt sich mit denen der anderen auf Facebook abzulenken.

Digital Detox

Beim Wandern kommt man wieder in Kontakt zu seinem „analogen Ich“ – perfekt für Digital Detox. (Hier: Wellnesshotel Schliffkopf im Schwarzwald)

Die meisten werden überrascht sein, wie stark der Reflex ist, alle paar Minuten aufs Handy zu schauen – man könnte ja was verpassen. Doch da ist kein Handy, wir entschlacken ja gerade digital. Digital Detox sollte man daher auch nutzen, um den eigenen Umgang mit allen digitalen Dingen zu überdenken – und gegebenenfalls zu korrigieren. Ein Bewusstsein dafür, was wir so tagtäglich tun und ob uns das wirklich gut tut, ist auch in Zukunft wichtig, damit wir von der Digitalisierung profitieren und weniger unter ihren Nachteilen leiden.

Was bringt Digital Detox?

Zusammengefasst sprechen zwei wichtige Gründe für Digital Detox:

  1.  Es baut Stress ab

Zahlreiche Studien belegen, dass die Digitalisierung ein wesentlicher Grund für die Zunahme von stressbedingten Erkrankungen ist. Multitasking, ständige Erreichbarkeit und eine beschleunigte Arbeitsweise bei zugleich fehlenden Grenzen im Umgang damit bringen immer mehr Menschen an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit. Wer hier regelmäßig kurze Auszeiten einschiebt, kann den Stress damit verringern.

  1. Digital Detox hilft uns, einen bewussten Umgang mit der Digitalisierung zu entwickeln

Um klar zu sehen, muss man auch mal aussteigen, sich die Dinge aus der Distanz ansehen. Das geschieht während der digitalen Entgiftung: Wir erkennen, was wir ansonsten automatisch tun und können dies kritisch hinterfragen. Muss ich wirklich abends vor dem Schlafen noch Mails checken? Tut es mir gut, wenn ich dauernd lese, was die anderen Leute so treiben, während ich mir selbst kaum noch Freizeit gönne? Und ist es für mich Freizeit, wenn ich immerzu online bin, erhole ich mich dabei wirklich?

Digital Detox festigt somit unsere Eigenverantwortung. Denn in Zeiten zunehmender Flexibilisierung von Arbeit und Freizeit sowie der voranschreitenden Digitalisierung unserer Lebenswelten möchte man immer weniger auf von außen gesetzte Regeln zählen, die uns vor den Gefahren durch Stress schützen. Wir selbst haben die Freiheit, unsere eigenen Grenzen zu erkennen und zu wahren. In dieser Hinsicht entspricht Digital Detox der Grundidee von Wellness – und kann uns einen echten Bewusstseinsschub verschaffen.

Über die Autorin

Digital Detox
Tanja
Tanja ist auf der Suche nach allem, was das Leben genussreich und lebendig macht. Zu Essen und Wein sagt sie selten Nö – vorausgesetzt, es ist gut und lecker. Am liebsten kocht sie jedoch selbst. Dabei probiert sie immer wieder neue Richtungen aus, aktuelle Passion: Rohkost. Wenn Tanja nicht gerade beratend oder textend für ihre Kunden unterwegs ist, erfindet sie ihre eigenen Geschichten, die sie auch selbst illustriert – sind aber noch geheim ☺
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1 Antwort
  1. Daniela
    Daniela sagte:

    Schöner Selbstversuch. Ich habe im letzten Sommerurlaub mein Handy einfach 2 Wochen in den Safe gelegt und nicht mehr angerührt. Es hat auch nicht sehr lange gedauert bis ich das Ding dann auch schon vergessen hatte. Sehr schön!

    Antworten

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