Brennnessel – ein oft verkanntes Powerkraut. Gastbeitrag aus dem Hotel Heinz

Rezepte Kräuter Hotel-Heinz

Ira Bräuer zeigt bei einem Kräuterworkshop im Hotel Heinz verschiedene Kräuter

Endlich Sommer! In der feuchtwarmen Luft explodiert im Moment das Grün der Pflanzen. Um Häuser und Gärten herum macht sich jetzt auch die große Brennnessel (Urtica dioica) breit und zieht damit häufig Unmut auf sich – ist sie doch mit ihren raumgreifenden Wurzeln und ihren Brennhaaren ein wehrhafter Eroberer. Dabei gerät leicht in Vergessenheit, welche leckere und gesunde Abwechslung sie für unseren Speiseplan sein kann und auch welche Wirkung sie als Heilpflanze hat. Der kräuterkundige Pfarrer Künzle schrieb über sie: „Hätte die Brennnessel keine Stacheln, wäre sie schon längst ausgerottet worden, so vielseitig sind ihre Tugenden.“

Tatsächlich ist sie reich an wertvollen Inhaltsstoffen: Flavonoide, Mineralsalze, die Vitamine B, C (30 mal so viel wie Kopfsalat), E (das „Verjüngungsvitamin“) und K1 (für gesunde Knochen), Pflanzensäuren (Ameisen- und Essigsäure), Carotinoide (das „Schönheitsvitamin“ für Haut und Haare), Amine (z. B. Histamin, Serotonin und Cholin), Mineralstoffe (z.B. Kieselsäure und Kalium) und Eisen. In der Volksheilkunde werden ihre harntreibenden (nur in Verbindung mit ausreichender Flüssigkeitszufuhr), entschlackenden und blutbildenden Eigenschaften geschätzt.

Rezepte Kräuter Hotel-Heinz

Die Brennnessel bringt gesunde Abwechslung auf den Speiseplan

Außerdem setzt man sie bei Rheuma- und Ischiasschmerzen ein. Diese Rosskur ist aber nichts für empfindliche Gemüter: Mit einer frischen Brennnessel schlägt man sich 1 x täglich an 2 bis 3 aufeinander folgenden Tagen auf sie schmerzenden Körperstellen, dann setzt man 2 bis 3 Tage aus. Während dieser Zeit sollte die betroffene Körperregion nicht gewaschen werden, weil sonst das intensive wohltuende Wärmegefühl wieder in Brennen übergeht. Das so genannte Nesselgift ruft ein wohliges, stundenlang anhaltendes Wärmegefühl hervor, das besonders bei Lumbago oder Ischias angenehm ist.

Aber das Hauptargument, dieser großen Heilpflanze doch einen kleinen Bereich im Garten zu überlassen, ist die vielseitige Verwendbarkeit in der Küche. Am besten erntet man (mit Handschuhen  :-)) die oberen 20 cm der Pflanze. Wenn man die Brennnesseln kurz in heißes Wasser taucht, werden die Brennhaare zerstört und man kann sie „unfallfrei“ weiterverarbeiten. Durch das Blanchieren bleibt auch die schöne grüne Farbe erhalten.

Sammelzeiten

Von März bis Juni sammelt man die jungen zarten Blätter (für Wildgemüse und harntreibenden Tee), im Hochsommer das blühende Kraut (das heißt die oberen 5 – 10 cm langen Triebe samt Blüten), im August und September die Samen und im Herbst die Wurzeln.

Meine Lieblingsrezepte für die sommerliche Tafel:

Brennnessel-Frischkäse

Etwa 100 g frische zarte Brennnesselblätter kurz blanchieren, abtropfen und abkühlen lassen, fein schneiden. 1 – 2 Knoblauchzehen zerdrücken, mit Brennnessel und 200 g Frischkäse verrühren und mit etwas Zitronensaft, Salz und Pfeffer abschmecken.

Brennnessel-Salat

Brennnesselblätter wie beim Frischkäse vorbereiten, jedoch nur grob schneiden. Dazu ein Dressing zubereiten aus Senf, Joghurt, und Fruchtgelee oder Fruchtsaft, dann mit Zitronensaft, Salz und Pfeffer abschmecken.

Brennnessel-Spinat

200 g frische zarte Brennnesselblätter in 25 g zerlassener Butter kurz andünsten. Mit 2 EL Schmand verrühren und mit Salz, Pfeffer und Muskat abschmecken. Mit gerösteten Pinienkernen bestreut servieren.

Schnelles Brennnessel Pesto

100 g blanchierte Brennnessel-Blätter, eine Zwiebel und 3 Knoblauch-Zehen fein hacken und mit 2 Esslöffeln Ölivenöl gut verrühren. Mit Muskat, Salz und Pfeffer abschmecken.

Probieren Sie doch auch einmal, Spinat- oder Mangoldrezepte mit der Brennnessel abzuwandeln! Sie werden über das schmackhafte Ergebnis erstaunt sein!

Und zu gemütlichen sommerlichen Grillabenden passt perfekt eine erfrischende Limonade:

Brennnessellimonade:

In knapp 2 l Wasser werden 2 Hand voll junge frische Brennnesseln, der Saft einer Zitrone, ein Teelöffel frisch geriebene Ingwerwurzel und 225 g brauner Zucker vermischt und aufgekocht. Den Sud lässt man abgedeckt abkühlen, seiht ihn ab und stellt ihn kalt. Dieser Sirup kann dann nach Geschmack 1:1 oder 2:1 (2 Teile Wasser mit 1 Teil Sirup) mit sprudelndem Mineralwasser vermischt werden. Eisgekühlt und mit einer Zitronenscheibe garniert servieren.

Viel Spaß beim Ausprobieren wünscht Ihnen Ihre Kräuterspezialistin Ira Bräuer und das Team vom Hotel Heinz!

Die Initiative Kräuterwind wurde 2009 gegründet, um die Vermarktung und den Anbau von Kräutern und Kräuterprodukten im Westerwald zu unterstützen. Das Wellness-Hotel Heinz ist aktiver Partner der Initiative: als Kräuterwirt in der Gastronomiesparte aber auch mit eigenen Gärten und der Verwendung regionaler Produkte aus der Kooperation in der Küche und Wellness-Abteilung. Eine Aktion der Initiative ist das „Kraut des Monats“, das bei einem saisonalen Menü im Hotel Heinz genossen werden kann. Außerdem informiert Kräuter-Spezialistin Ira Bräuer interessierte Gäste bei Kräuterwanderungen und  Workshops über Theorie und Wissenswertes zum jeweiligen Kraut.

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