Der Holunder blüht… Neues von unserer Kräuterexpertin

Gastbeitrag der Kräuter- und Pflanzenexpertin Ira Bräuer aus dem Hotel Heinz im Westerwald

Holunderblüten beim Hotel Heinz

Holunderblüten beim Hotel Heinz im Westerwald

Üppiges Grün soweit das Auge reicht und verführerischer Blütenduft in der Nase – der Mai verwöhnt uns dieses Jahr mit einem herrlichen Pflanzenreichtum. Aber während wir gerade erst in Frühlingsgefühlen schwelgen, sind die Pflanzen schon viel weiter. Nach dem phänologischen Kalender, der die Jahreszeiten mit bestimmten Zeigerpflanzen in Verbindung bringt, ist bei uns im Westerwald mit Beginn der Holunderblüte bereits der Frühsommer ausgebrochen!

Spätestens seitdem der „Hugo-Cocktail“ in aller Munde ist, ist jedem der lecker duftende Holunderblütensirup ein Begriff. Aber Holunderblüten können noch viel mehr…

Ursprünglich genoss der Holunder (Sambucus nigra) ein hohes Ansehen als Haus- und Hofapotheke. Von dem kräftig wachsenden Busch, der sich mit Vorliebe bei den Menschen ansiedelt, wurde alles verwendet: Die Blüten als schweißtreibender Tee in der Erkältungszeit, die Beeren als Vitaminspender und „Lebenselixier“ in Suppen, Saft, Gelee oder als Likör und tatsächlich auch der Abrieb der Rinde als Abführmittel. Daher war es auch ein Frevel, den Holunder zu fällen!

Aber die zarten, weißen Blüten haben auch in der Haut- und Körperpflege ihren Platz!

Am Besten schneiden Sie die Dolden an einem sonnigen Vormittag bis 12:00 Uhr und lassen Sie dann eine Weile auf einer gelben Unterlage liegen, damit alle Krabbeltiere unbehelligt das Weite suchen können (sie werden von der gelben Unterlage nach draußen gelockt).

Dann können Sie die Blüten weiterverarbeiten oder trocknen lassen. Zum Trocknen breiten Sie die Dolden an einem schattigen Platz auf einem Stück Papier oder Küchentuch aus und warten bis sie „krachtrocken“ sind, das heißt sie müssen beim Zerbröseln zwischen den Fingern knistern, nur dann sind sie richtig trocken. Die abgezupften Blüten bewahrt man in einem Braunglas oder einer Papiertüte auf.

Holunder ist vielfältig einsetzbar

Holunder ist vielfältig einsetzbar

Bei angeschwollenen, schweren und überanstrengten Beinen tut abends ein Holunderblüten-Fußbad sehr gut.

Dafür lassen Sie 6 frisch gepflückte Holunder-Dolden in einem Liter Wasser kurz aufkochen, seihen das ganze ab (wer möchte, kann die Blüten natürlich auch im Wasser lassen oder streut ein paar frischen Blüten auf das Wasser drauf) und geben es in eine Fußbadewanne. Dann füllen Sie mit warmem Wasser (ca. 2 bis 3 Liter) auf und genießen das Bad 15 bis 20 Minuten.

Als Einschlafhilfe passt zu dem Fußbad wunderbar schmackhafte Holunderblüten-Milch: 4 frisch geerntete Holunderblüten-Dolden sorgfältig abbrausen, entstielen und abtropfen lassen. 1/2 Liter Milch in einem Topf erhitzen, die Dolden hinein geben, 30 Minuten ziehen lassen und mit etwas Vanillezucker nach Geschmack süßen. Nach einer Stunde Wartezeit können Sie die Milch trinken.

Aber Sie können natürlich auch ein komplettes Wannenbad mit den duftenden Blüten herrichten:

150 Gramm getrocknete Holunderblüten werden in 2 Liter Wasser kurz aufgekocht und sollten dann 1 Stunde ziehen. Danach können Sie den Sud abseihen und ins Badewasser gießen. Auch hier sehen aufgestreute frische Blüten wunderschön aus!

Im Bad können Sie auch gleich eine Kompresse für müde, überanstrengte Augen auflegen

2 Teelöffel frische oder getrocknete Holunderblüten mit einem Viertelliter kochendem Wasser übergießen und 10 Minuten ziehen lassen. Durch einen feinen Filter laufen und abkühlen lassen. Tränken Sie für die Augenkompressen ein Leinentuch oder Wattepads mit der Flüssigkeit und lassen Sie sie ca. 15 Minuten auf den Augen einwirken.

Bild Holunderblüte

Wie wäre es zu diesem entspannenden Wannenbad mit einem prickelnden Gläschen Holunderblüten-Sekt?

Zutaten:
7 l Leitungswasser, 15 Holunderblütendolden,1 kg Zucker, 20 g Weinsteinsäure,
3 Biozitronen, Bügelflaschen zum Abfüllen

Zubereitung:
Zitronen leicht auspressen (wer es saurer mag, presst sie ganz aus), mit dem Zestenreisser oder der Küchenreibe die Schale abreiben. Mit den anderen Zutaten in einen großen Topf füllen und luftig aber mit einem Küchentuch abgedeckt an einem warmen Ort 24 Stunden ziehen lassen. Ab und zu umrühren. Dann durch ein sauberes Küchentuch nach und nach in einen Krug umfüllen und im Anschluss in kochendheiß ausgespülte Bügelflaschen umfüllen.

Nach einigen Tagen alle Flaschen auf Gärung testen (wenn beim Öffnen vereinzelt kleine Perlen aufsteigen oder es sogar schon leicht zischt, ist es gut). Sollten einige nicht gären, den Inhalt mit dem der gärenden Flaschen mischen. Flaschen wieder verschließen und einige Wochen lagern. Je länger man den Sekt lagert, desto herber wird er. Aber Achtung: die Flaschen können beim Gären platzen!

Bild Holunderblüte4

Als kleines Mitbringsel kann man aus den getrockneten Blüten auch ein Duftkissen herstellen:

Beruhigend auf Herz und Kreislauf wirken folgende Kräuter: Baldrian, Hopfen, Lavendel, Melisse, Waldmeister und Holunderblüten. Übrigens können Sie für das Duftkissen auch noch den blühenden Waldmeister verwenden. Diese Säckchen duften auch in der Wäscheschublade herrlich!

Oder Sie verschenken selbstgemachte Holunderblüten-Handcreme, die besonders für viel beanspruchte, rissige und wunde Hände geeignet ist.

Zutaten:
125 ml reines, natives Kokosöl
1-2 Handvoll Holunderblüten

Erhitzen Sie das Kokosöl im Wasserbad und lassen Sie es bei kleiner Flamme mit den abgezupften Blüten 45 Minuten ziehen. Dann können Sie die Flüssigkeit in ein dunkles Schraubglas abseihen und im Kühlschrank aufbewahren. Im Kühlschrank hält es sich ungefähr ein halbes Jahr.

Vielleicht juckt es Sie ja schon beim Lesen der Rezepte in den Fingern und Sie machen sich am nächsten sonnigen Morgen auf die Suche nach Ihrem „Hollerbusch“!

Ich wünsche Ihnen viel Spaß dabei!

Ihre Kräuter-Expertin Ira Bräuer

Kräuter-Expertin Ira Bräuer

Kräuter-Expertin Ira Bräuer

Die Initiative Kräuterwind wurde 2009 gegründet, um die Vermarktung und den Anbau von Kräutern und Kräuterprodukten im Westerwald zu unterstützen. Das Wellness-Hotel Heinz ist aktiver Partner der Initiative: als Kräuterwirt in der Gastronomiesparte aber auch mit eigenen Gärten und der Verwendung regionaler Produkte aus der Kooperation in der Küche und Wellness-Abteilung. Eine Aktion der Initiative ist das „Kraut des Monats“, das bei einem saisonalen Menü im Hotel Heinz genossen werden kann. Außerdem informiert Kräuter-Spezialistin Ira Bräuer interessierte Gäste bei Kräuterwanderungen und  Workshops über Theorie und Wissenswertes zum jeweiligen Kraut. Der Holunder ist zwar kein Kraut, seine Blüten sind aber ebenso duftend und lecker wie Kräuter….

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.